Partytime!

Ich bin in Partystimmung, denn ich spüre gerade einem grandiosen Autorentreffen in Köln nach, bei dem ich endlose Impulse, Inspiration und tolles Feedback bekommen habe (und hoffentlich ebensolches gegeben habe). Nach einer Blockade im Projekt 1 weiß ich jetzt, wo es langgeht.

Mein Stil hat sich verändert, ist gereift, sagten sie, und ich empfinde es ebenso. Ich muss meine Romanfragmente überarbeiten. Das ist nicht schlimm, im Gegenteil. Es wird so viel besser.

Die Kurzgeschichtensammlung ist wieder um zwei gewachsen: ‘Afterlife’ und ‘Der große Zampano’, beides inspiriert von Begebenheiten in meinem direkten Umfeld, sozusagen die Essenz aus Betrachtungen und Beobachtungen von Menschen in all ihrer Merkwürdigkeit, verdichtet und komprimiert.

Es ist interessant, wie sich ein Stil verändern kann, wenn man nur lange genug daran feilt…

Und hier folgt ein Auszug:


Der große Zampano

Was für eine Geburtstagsparty… in meinem Kopf dreht sich alles. Nein, ich habe nicht zu viel getrunken. Ganz im Gegenteil, ich fühle mich vollkommen nüchtern. Doch es ist spät. Ich hätte früher gehen können, die Party verlassen, es waren ja noch genug Leute da. Dir den Abend durch meinen Abgang verschönern. Wie unangenehm es für dich gewesen sein muss: ich habe mit meiner Tischnachbarin ein so angeregtes Gespräch geführt, ich dachte einfach nicht daran, endlich nach Hause zu gehen. Doch schließlich war ich eingeladen, von dir. Ich komme spät, habe noch zu arbeiten gehabt. Aber die Einladung bezog sich beinahe auf den ganzen Tag, den Tag vor deinem Geburtstag. Ich rechne also damit, noch jemanden von deinen Gästen anzutreffen, als ich um halb neun klingele. Du siehst mich kaum an, als ich mein Geschenk überreiche: ein Notizbuch, das den Titel „Mythen des Alltags“ trägt. Kenn ich, sagst du, und legst es auf einen Haufen anderer Geschenke. Du zeigst auf die Küche – da ist was zu trinken – und drehst mir den Rücken zu. Ich schaue mich um: Angebissenes, benutzte Gläser, Teller gibt es nicht. Ich setze mich an den Tisch, dir gegenüber. Du versuchst, mich nicht anzusehen. Ich schweige, die Gäste unterhalten sich, machen Witze, lachen. Ich muss erst entscheiden, wo ich anknüpfen möchte.

Photo credits: Adi Goldstein on unsplash.com – Thanks, Adi!