Gateless writing

Vor Kurzem habe ich an einem Online-Workshop mit zahlreichen Teilnehmern meiner Kollegin Christine Kämmer zum Thema ‚Gateless Writing‘ teilgenommen. Ich hatte keine genaue Vorstellung davon, worum es dabei geht, nur, dass es sich dabei um eine Kreativtechnik handelt.

Gateless Writing: Schreiben ohne Schranken, ohne Tür und Tor, ohne Hindernisse? So etwas in der Art. Wir steigen ein mit Händels Wassermusik, ein paar Minuten lang, die Augen geschlossen. Auf den Atem fokussierend. Ruhe und Gelassenheit stellen sich ein. Wir kommen in unserem Körper an. Wir entspannen uns, lassen Sinnesreize zu und ihre Arbeit machen. Wir schalten kritische Gedanken aus. Und sind uns wohl bewusst, dass wir uns in einem Schutzraum befinden, in dem jegliche Kritik keinen Platz hat. Einen Anspruch an die (literarische) Qualität unserer Texte lassen wir außen vor, denn die Lust am Flow, am Fabulieren ohne Schere im Kopf steht hier und jetzt eindeutig im Vordergrund.

Dann: Schreib los, acht Minuten lang. Das Thema: Geschenk. Und das könnte/kann/darf dabei herauskommen:

Ein Geschenk. Mir wäre es lieber gewesen, er wäre nicht gekommen, ich hätte nicht die Tür geöffnet und das von ihm gerahmte Bild vorgefunden. Wir hatten nichts vereinbart, natürlich nicht. Schenken ist ja an sich eine spontane Sache, mit der man dem beschenkten zeigen will, wie gern man ihn hat, ihm eine Freude machen möchte. Meine Freude wäre größer gewesen, hätte ich das Bild nicht bekommen. Ich weiß, es hört sich undankbar an, aber lass es mich erklären:

Er hatte mich verletzt, beleidigt, ja sogar angeschrien. Ich hatte keine Ahnung, warum er so plötzlich die Fassung verloren hatte. Irgendetwas an meinem Verhalten, an dem, was ich gesagt hatte, hatte ihn so aufgebracht. Er hielt mir vor, ich sei oberflächlich, verwöhnt, hätte keinen Tiefgang – und schon gar keine Empathie. Mir kam dieser plötzliche Ausbruch vor, als sei etwas lange in ihm Aufgestautes nun schließlich nicht mehr zu halten, bräche sich Bahn. Eine Enttäuschung für mich, denn wenn es tatsächlich so war, dann hatte er mir die ganze Zeit etwas vorgemacht, hatte gespielt. Wieder mal eine Rolle, eine, mit der er schon auf der Bühne gestanden hatte. Und ebenso theatralisch waren seine Bewegungen, seine Gesten, mit denen er sich durch den Raum bewegt hatte. Und da es Worte waren, die wie Peitschenhiebe gewirkt hatten, hätte ich mir jetzt Worte der Entschuldigung gewünscht. Nicht aber dieses Bild.

Nach acht Minuten ist Schluss, wir lesen reihum vor. Verblüffend, was entstehen kann, immer wieder, wenn der Flow sein Recht bekommt.

Wie geben wir anschließend ‚Gateless Feedback‘? Die Gruppe wird aufgefordert, die Frage zu beantworten: „What did we love about the text?“ Der Text als Artefakt. Steht für sich selbst, nicht für die Autorin, nicht für den Leser. Alles ist Fiktion!

Let the reader have their own experience with the text.

Die Autorin reagiert nicht auf das Feedback, sie erklärt nicht, sie rechtfertigt nicht.

So kann Großes entstehen, denn wir müssen uns als Autoren nicht klein fühlen, nicht klein machen, nicht klein machen lassen. Der Text hat sein Eigenleben bekommen und ist auf dem Weg nach dort draußen.

Händel. Sollte man öfter hören…

Photo credits: Felix Koutchinski – Thanks, Felix!

2021

Alle reden davon, wie schrecklich 2020 war. Oder davon, dass Corona uns verändert hat, dass wir sowohl Gutes als auch Schlechtes an uns und den Mitmenschen entdecken durften/mussten, neue Möglichkeiten des Zeitvertreibs, neue Seiten am Partner, am Partner von jemand anderem.

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Healing

Breathe, darling. This is just a chapter. It’s not your whole story.

I took my thinking time, researching time, dreaming time, and above else, writing time.

I used realism, cynicism, idealism, imagination, and awe.

I needed to be naïve at times, sophisticated, observant, obsessive, focused, a dreamer, sometimes at different times, sometimes all at the same time.

I had to work hard, but also to hold still and just stare.

I was disappointed, committed, thrilled, emotionally unstable, intellectually courageous.

It took almost all my energy because I knew that my writing would enrage some people, and thus put me in danger.

I was mostly inspired and intrigued by small things, gestures, facial expressions, brief events, fleeting moments, glimpses that kept me fantasizing about for hours, days, weeks.

I was constantly on the lookout for new stories, anecdotes, episodes, in books, conversations, magazines, on the radio, podcasts, or online.

Sometimes it feels that my heart and soul spill over. But I realise that both are vessels with seemingly endless capacity.

To get to this point wasn’t easy. I struggled, I did and said the wrong things. I caused an emotional stir with people surrounding me despite meaning well. It was like a virus making its way through a number of systems that were hopelessly unprepared for what was to come. I had no choice but withdraw.

Withdrawal symptoms are difficult to overcome sometimes, and they leave you disheveled, hurt, and feeling small. It takes a lot of energy to work your way out of this mess again.

Yet here I am, and thanks to numerous notebooks I filled in the meantime I can safely say that writing saved me.

It took awareness, self-forgiveness, forgiveness, and love – and realizing where the demons lurk. I had not expected them to be so close.

They are still out there, waiting for their opportunity maybe. But I have learned to tread lightly so as not to wake them up again.

Never. Again.

***

Think for a moment:

  • how many struggles,
  • how many battles,
  • how many difficulties,
  • how much sadness,
  • how much happiness,
  • how many love stories,
  • how many expressions of hope for the future

did it take for me to exist in this very moment?

Photo credits: Katrina Wright on www.unsplash.com – Thank you, Katrina!

Moving on

Mein eigenes Schreibprojekt – ein Roman mit autobiografischen Zügen – ist in der letzten Zeit stark gewachsen und nimmt immer mehr meiner Zeit in Anspruch. War es anfangs schwierig, immer wieder Zugang zu dieser Geschichte zu finden, immer wieder den Faden aufzunehmen nach tagelanger oder zuweilen wochenlanger Schreibpause, so ist die intensive Beschäftigung mit der Materie nun zu einem unverzichtbaren Bestandteil meiner täglichen Routine geworden. Nennt man auch Flow, denke ich. So fühlt es sich jedenfalls an.

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Never, never, never give up

Eigentlich hattest Du ja eine Vereinbarung mit Dir selbst, hattest einen Vertrag geschlossen. Schreiben wolltest Du, und zwar regelmäßig. Zu einer bestimmten Zeit, für eine bestimmte Zeitdauer. Doch es klappt nicht. Irgendwas kommt immer dazwischen. Du bist abgelenkt, wirst abgelenkt. Und wenn Du es dann doch geschafft hast, sitzt Du da, vor dem leeren Blatt, vor der leeren Seite. Und es kommt – nichts.

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Wer zu spät kommt, …

Wer erinnert sich nicht an die Warnung, die Michail Gorbatschow am 6. Oktober 1989 Erich Honecker gegenüber ausgesprochen haben soll. Und es ist eigentlich auch völlig egal, ob er es wirklich so meinte, ob ein Fehler des Dolmetschers vorlag, oder ob er eigentlich auf die Situation in der UdSSR anspielte – seine Aussage war für viele Jahre danach ein geflügelter Spruch. Das Leben straft.

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Genug.

Du konntest es einfach nicht lassen. Konntest einfach nicht aufhören. Du dachtest, es sei ein Teil von Dir, es gehörte zu Dir, wie Deine Hände, oder Deine Ohren, oder ein anderer Körperteil. Entweder, weil Du abhängig warst, weil Du es unbedingt brauchtest, glaubtest nicht ohne es leben zu können. Oder vielleicht hast Du nach und nach die Erkenntnis gewonnen, dass Du damit immer nur Erwartungen erfüllt hast, Erwartungen, die andere an Dich hatten, weil sie genaue Vorstellungen davon hatten, wie Dein Leben aussehen sollte. Wie Du aussehen solltest. Oder was Du sein solltest. Denn das nützt den anderen, ist bequem, passt in ihr Weltbild.

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Lots of love

Hi there,
today is my birthday! That’s why I don’t have much time: the phone is ringing non-stop, I have dinner preps to do, and, er…, ok, yes, I need to get some work done, too. And it’s Thursday – time for you to hear from me again with my latest ideas to get you writing. Today’s prompt is inspired by my bday mindset – the catchword is love as you may have guessed!

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I’m a real artist.

If only. Oder?

Du schleppst diese Idee schon ein paar Jahre mit Dir herum. Sie ist so außergewöhnlich, oder gewöhnlich, oder persönlich, oder bewegend. Und sie kann nur von Dir geschrieben werden. Was hält Dich davon ab, sie aufzuschreiben?

Ja, natürlich: Arbeit, Kinder, oder noch wahrscheinlicher – diese Stimme in Deinem Kopf. Sie flüstert: Was glaubst Du eigentlich, wer Du bist? Wen soll das interessieren? Lass es doch sein, mach Dich nicht lächerlich…
Den inneren Kritiker kennen wohl alle, die sich kreativ ausdrücken möchten. Es bringt nichts: wir müssen diese Stimme aushalten, sie wird sich wohl nie ganz abstellen lassen. Doch können wir sie ignorieren, ihr trotzen, unsere Entschlossenheit, es ihr zu zeigen, weiter und weiter steigern. Du kannst ihr eine Gestalt geben: Wie sieht sie aus? Welches Geschlecht hat dieser Kritiker? Weshalb will sie Dich immerzu ärgern?

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Gute Reise!

Der französische Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal war der Meinung, … „alles Unglück der Menschen rühre daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben könnten.“ Wie passend zum derzeitigen Mantra des STAY AT HOME (zwingend mit AT! alles andere ist schlichtweg falsch…aber das nur am Rande).

Wirklich nicht? Können wir das nicht? Vielleicht übersehen wir da etwas! Müssen wir wirklich immerzu neue Orte aufsuchen, um uns vom Unbekannten inspirieren zu lassen? Haben wir denn nicht bereits einen reichen Schatz an Bildern, Erfahrungen und Erinnerungen in uns angesammelt, der eigentlich für mehrere Leben reichen könnte? Und besteht das Problem nicht darin, dass wir nicht wissen, wie wir aus dem schon Vorhandenen das Beste herausholen sollen?

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