Eistanz

Meine Kurzgeschichtensammlung wächst und wächst. Schwungweise gehen die Geschichten zur Lektorin und kommen mit hoffentlich nicht allzu großem Änderungsbedarf zurück. Eine aufregende Zeit!

Ich beeile mich damit sehr, denn Ende Juli lasse ich mich für die Teilnehmer meines Writers‘ Club noch mal gründlich ins Gateless Writing einweisen (darüber habe ich in einem anderen Blogartikel berichtet), und im August folgt eine Woche Rückzug zum ausschließlichen Schreiben in Wandlitz. Genau, da, wo Honecker etc. gewohnt haben.

Dort werde ich an meinem Romanprojekt weiterarbeiten, mit fachkundiger Unterstützung zweier Personen aus der Branche, einer Lektorin und einer Literaturagentin. Und ein Teil meiner Tribe wird vor Ort sein, sozusagen ein Familientreffen nach langer, pandemiebeschränkter Zeit.

Ich werde definitiv schwimmen, denn der Wandlitzer See ist direkt vor der Tür!

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The Tribe

Ich habe mehrere Schreibgruppen. Solche, in denen ich das Schreiben anleite, aber auch solche, in denen ich eine der Schreibenden bin. Und letztere sind für mich von immer größerer Wichtigkeit geworden.


Wir haben Autoren dabei, die schon mehrere Bücher auf den Markt gebracht haben – Romane, Kurzgeschichten, Lyrik, Essays – und gern aus dem Nähkästchen plaudern und wertvolle Tipps geben können. Aber darunter auch solche, die sich dem Schreiben zur Verarbeitung von Lebenskrisen, Sinnfragen, philosophischen Betrachtungen widmen, ohne größere Projektidee in welchem Stadium auch immer. Dann wieder solche, die gern über Texte anderer diskutieren und im Moment gar nicht (viel) schreiben, und auch sehr belesene und versierte Literaturwissenschaftler. Irgendwo zwischendrin habe ich es mir gemütlich gemacht, fühle mich getragen und akzeptiert und bin unendlich dankbar, Teil dieser Gemeinschaften zu sein.

Einige sind durch intensives Podcastlauschen immer auf dem neuesten Stand, was neue Bücher und literarische Strömungen anbetrifft. Andere sind wahre Ideenmaschinen und überraschen ständig damit, welche neue Romanidee auf Realisierung lauert. Wir diskutieren über Plotideen, Perspektiven, Identifikation, Versmaße, psychologische Muster in Figuren, Autoren, Lyriker, Literaturpreise, Literaturzeitschriften. Und auch über soziale Medien und wie sie uns gemeinsam zu größerer Bekanntheit verhelfen können.

Wir verlinken uns gegenseitig mittels Hashtags auf Instagram, erwähnen wohlwollend gegenseitig unsere Blogs, besuchen die Workshops der anderen, besuchen gemeinsam Workshops, sprechen Empfehlungen für Workshops aus und erzählen uns von bereits besuchten („Du musst unbedingt den in Venedig besuchen!“ – „Kommst Du dieses Jahr auch mit ins Burgenland?“ „Nächstes Jahr in Worpswede bin ich wieder dabei. Und Du?“).

Und all das in einer Atmosphäre, die frei ist von missgünstigem Wettbewerbsdenken und dafür voller Wohlwollen. Wenn eine/-r ein Buch bei einem Verlag untergebracht hat, knallen schon mal die virtuellen Sektkorken. Wir wissen ja, irgendwann ist jeder dran. Und manche sind auf dem gleichen Weg, auf dem wir alle uns befinden, nur schon mal ein bisschen früher losgelaufen.

Ich weiß noch gut, wie lange es gedauert hat, Euch zu finden. Ich bin unendlich froh, dass es Euch gibt.

Und sage stolz: I found my tribe.

Photo credits: Mike Erskine on unsplash.com – Thank you, Mike!

Fire

Und noch ein Workshop: diesmal zwischen Januar und März beim London Lit Lab zum Thema Creative Nonfiction: Compelling Memoir. Was soll man auch sonst tun während verschiedener Ausgangssperren, harten, weichen, mittleren und was auch immer für Lockdowns? Der Workshop fand natürlich online statt mit rein virtuellen Kontakten zwischen den Teilnehmern.

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2021

Alle reden davon, wie schrecklich 2020 war. Oder davon, dass Corona uns verändert hat, dass wir sowohl Gutes als auch Schlechtes an uns und den Mitmenschen entdecken durften/mussten, neue Möglichkeiten des Zeitvertreibs, neue Seiten am Partner, am Partner von jemand anderem.

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Healing

Breathe, darling. This is just a chapter. It’s not your whole story.

I took my thinking time, researching time, dreaming time, and above else, writing time.

I used realism, cynicism, idealism, imagination, and awe.

I needed to be naïve at times, sophisticated, observant, obsessive, focused, a dreamer, sometimes at different times, sometimes all at the same time.

I had to work hard, but also to hold still and just stare.

I was disappointed, committed, thrilled, emotionally unstable, intellectually courageous.

It took almost all my energy because I knew that my writing would enrage some people, and thus put me in danger.

I was mostly inspired and intrigued by small things, gestures, facial expressions, brief events, fleeting moments, glimpses that kept me fantasizing about for hours, days, weeks.

I was constantly on the lookout for new stories, anecdotes, episodes, in books, conversations, magazines, on the radio, podcasts, or online.

Sometimes it feels that my heart and soul spill over. But I realise that both are vessels with seemingly endless capacity.

To get to this point wasn’t easy. I struggled, I did and said the wrong things. I caused an emotional stir with people surrounding me despite meaning well. It was like a virus making its way through a number of systems that were hopelessly unprepared for what was to come. I had no choice but withdraw.

Withdrawal symptoms are difficult to overcome sometimes, and they leave you disheveled, hurt, and feeling small. It takes a lot of energy to work your way out of this mess again.

Yet here I am, and thanks to numerous notebooks I filled in the meantime I can safely say that writing saved me.

It took awareness, self-forgiveness, forgiveness, and love – and realizing where the demons lurk. I had not expected them to be so close.

They are still out there, waiting for their opportunity maybe. But I have learned to tread lightly so as not to wake them up again.

Never. Again.

***

Think for a moment:

  • how many struggles,
  • how many battles,
  • how many difficulties,
  • how much sadness,
  • how much happiness,
  • how many love stories,
  • how many expressions of hope for the future

did it take for me to exist in this very moment?

Photo credits: Katrina Wright on www.unsplash.com – Thank you, Katrina!

Moving on

Mein eigenes Schreibprojekt – ein Roman mit autobiografischen Zügen – ist in der letzten Zeit stark gewachsen und nimmt immer mehr meiner Zeit in Anspruch. War es anfangs schwierig, immer wieder Zugang zu dieser Geschichte zu finden, immer wieder den Faden aufzunehmen nach tagelanger oder zuweilen wochenlanger Schreibpause, so ist die intensive Beschäftigung mit der Materie nun zu einem unverzichtbaren Bestandteil meiner täglichen Routine geworden. Nennt man auch Flow, denke ich. So fühlt es sich jedenfalls an.

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Never, never, never give up

Eigentlich hattest Du ja eine Vereinbarung mit Dir selbst, hattest einen Vertrag geschlossen. Schreiben wolltest Du, und zwar regelmäßig. Zu einer bestimmten Zeit, für eine bestimmte Zeitdauer. Doch es klappt nicht. Irgendwas kommt immer dazwischen. Du bist abgelenkt, wirst abgelenkt. Und wenn Du es dann doch geschafft hast, sitzt Du da, vor dem leeren Blatt, vor der leeren Seite. Und es kommt – nichts.

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Wer zu spät kommt, …

Wer erinnert sich nicht an die Warnung, die Michail Gorbatschow am 6. Oktober 1989 Erich Honecker gegenüber ausgesprochen haben soll. Und es ist eigentlich auch völlig egal, ob er es wirklich so meinte, ob ein Fehler des Dolmetschers vorlag, oder ob er eigentlich auf die Situation in der UdSSR anspielte – seine Aussage war für viele Jahre danach ein geflügelter Spruch. Das Leben straft.

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Genug.

Du konntest es einfach nicht lassen. Konntest einfach nicht aufhören. Du dachtest, es sei ein Teil von Dir, es gehörte zu Dir, wie Deine Hände, oder Deine Ohren, oder ein anderer Körperteil. Entweder, weil Du abhängig warst, weil Du es unbedingt brauchtest, glaubtest nicht ohne es leben zu können. Oder vielleicht hast Du nach und nach die Erkenntnis gewonnen, dass Du damit immer nur Erwartungen erfüllt hast, Erwartungen, die andere an Dich hatten, weil sie genaue Vorstellungen davon hatten, wie Dein Leben aussehen sollte. Wie Du aussehen solltest. Oder was Du sein solltest. Denn das nützt den anderen, ist bequem, passt in ihr Weltbild.

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